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Who is Who?

Olly Schwarz
1877-1960

Die Tochter eines assimilierten jüdischen Getreidehändlers wurde als Olly Frankl in Prag geboren. 1898 übersiedelte die Familie nach Wien, ein Jahr später heiratete Olly Frankl den Arzt Emil Schwarz.

Schon früh für soziale Fragen und frauenemanzipatorische Ideen sensibilisiert, fand Olly Schwarz in Wien Anschluss an den Kreis um den Volksbildner Ludo Moritz Hartmann, der die Bestrebungen um höhere Frauenbildung mit der Gründung des Fortbildungsinstituts Athenäum unterstützte. Olly Schwarz, die auch selbst Vorträge an der Wiener Urania und im Wiener Volksbildungsverein hielt, wurde in den Arbeitsausschuss des Athenäums gewählt und war zudem Schriftleiterin der „Mitteilungen des Athenäums“, die regelmäßig als Beilage den „Mitteilungen des Wiener Volksbildungsvereines“ beigelegt wurden. Olly Schwarz gehörte dem Vorstand des Neuen Wiener Frauenclubs an und leitete dessen Musikabteilung. Gemeinsam mit Olga Steindler gründete sie eine Handelsakademie für Mädchen und wurde Kuratorin der Schule, die Olga Steindler leitete.

Als Vorstandsmitglied der Vereinigung der arbeitenden Frauen widmete sie sich der Berufsberatung für Frauen. Zunächst erreichte sie beim Bund Österreichischer Frauenvereine die Übertragung eines Referats für weibliche Berufstätigkeit in Österreich, 1916 gründete sie dann die Zentralstelle für weibliche Berufsberatung, die sie fortan leitete.

Als sich 1917 der „Arbeitsnachweis der Stadt Wien“, der Vorläufer der Arbeitsämter, auf die Zeit der Remobilisierung und Wiedereingliederung der vielen Arbeitslosen in das Wirtschaftsleben vorbereitete, hielt Olly Schwarz für die Beamten des Arbeitsnachweises Seminare zur Einführung in die Praxis der Berufsberatung ab. Auch für das im Herbst 1917 neu geschaffene Ministerium für soziale Verwaltung, das ein eigenes Referat für Berufsberatung einsetzte, arbeitete sie wiederholt bei verschiedenen Kursen, Konferenzen und ministeriellen Verlautbarungen mit.

Als Leiterin der Zentralstelle für weibliche Berufsberatung organisierte Olly Schwarz 1917 erstmals eine Tagung für die Berufsinteressen der Frauen. Diese jährliche Veranstaltung etablierte sich in den folgenden Jahren als Tagung für Berufsberatung zu einem Treffpunkt in- und ausländischer Fachleute auf den Gebieten der Berufsberatung, Medizin, Psychologie, Pädagogik, Ökonomie oder Politik. Sie fand 1936 mit einer Festveranstaltung anlässlich des zwanzigsten Jubiläums ihr Ende.

Ab 1922 war Olly Schwarz als Leiterin der weiblichen Abteilung am „Berufsberatungsamt der Stadt Wien und der Arbeiterkammer Wien“ tätig, für dessen Errichtung sie sich maßgeblich eingesetzt hat. Neben Beratungen hielt sie zahlreiche Vorträge und Kurse, darunter auch an den Wiener Volksbildungseinrichtungen. Sie schrieb „dem Berufsberater die bedeutungsvolle Mission der Volkserziehers zu“ (Schwarz 1931, S. 11).

Mit der Eingliederung des Berufsberatungsamtes der Stadt Wien in die Verwaltung der Landesarbeitsbehörde, der „Industriellen Bezirkskommission Wien“ im März 1933 wurde Olly Schwarz pensioniert. Die Berufsberatung und der Einsatz gegen herkunfts- und geschlechtsbedingte Diskriminierung beim Zugang zu Bildung und Beruf blieben ihr auch danach ein Anliegen, das sie etwa durch die Publikation eines berufskundlichen Lesebuches für junge Frauen mit dem Titel „Wir stehen im Leben!“ (1934) weiterverfolgte. Ab 1933 setzte sie sich im Rahmen der „Liga für Menschenrechte“ für die Fürsorge der aus Deutschland kommenden Flüchtlinge ein.

1939 emigrierte sie in die USA. Sie starb in Chicago.

Weiterführende Literatur:

Olly Schwarz, Die weibliche Berufsberatung. In: Kammer für Arbeiter und Angestellte in Wien (Hrsg.), Handbuch der Frauenarbeit in Österreich, Wien: Carl Ueberreuter 1930, S. 522-530.

Olly Schwarz, Betrachtungen zur Wirtschaftskrise vom Standpunkt des Berufsberaters. In: Lehrlingsschutz, Jugend- und Berufsfürsorge, 8. Jg., 1931, H. 7, S. 10 ff.

Olly Schwarz, Wir stehen im Leben! Berufskundliche Erzählungen für junge Mädchen, Wien: Steyrermühl-Verlag 1934, 87 S.

Olly Schwarz, Lebens-Erinnerungen. Maschinengeschriebenes Typoskript, Chicago 1959, 135 S.