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Who is Who?

Richard Czwiklitzer
1882-1940

Richard Czwiklitzer wurde am 7. April 1882 in Wien als Sohn des jüdischen Kaufmannes Philipp Czwiklitzer und seiner Gattin Sophie geboren. Nach Ablegung der Matura am Akademischen Gymnasium in Wien studierte er an der Universität Wien Zoologie und Medizin und promovierte 1907 am Zoologischen Institut über die „Anatomie der Larve Pedicellina Echinata“. 1911 wurde er Assistent am II. Wiener Zoologischen Institut. Nach seiner Militärdienstzeit 1915-1918 wurde Czwiklitzer am 1. Juli 1921 in den Bundesdienst übernommen und wechselte zunächst in das Bundesamt für Statistik, dann als Staatsbibliothekar an die Universitätsbibliothek, wobei er zur Dienstleistung dem Verein Volkshochschule Volksheim Ottakring zugewiesen wurde, wo er bereits seit 1914 tätig gewesen war. An der Volkshochschule Ottakring bekleidete er ab 20. April 1921 zunächst das Amt des Sekretärs und übernahm darauf folgend die Funktion des Generalsekretärs, die er bis 1938 inne hatte. Zuvor hatte Czwiklitzer bereits seit 1909 naturwissenschaftliche Vorträge und Kurse im Wiener Volksbildungsverein gehalten. In den Zweigstellen der Volkshochschule Ottakring war er in den Anfangsmonaten seiner Sekretärstätigkeit Abend für Abend in der jeweiligen Kanzlei tätig.

1928 erfolgte seine Ernennung zum Bundesbeamten und ein Jahr darauf wurde Czwiklitzer zum „Bibliothekar der Dienstklasse IV“, nach wie vor mit dem Dienstort „Volkshochschule »Volksheim«“.

Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde Richard Czwiklitzer als zweiter Staatsbibliothekar mosaischen Glaubens an der Universitätsbibliothek neben dem Indogermanisten und Albanologen Prof. Dr. Norbert Jokl zwangspensioniert. Am 14. September 1938 unterzeichnete Richard Czwiklitzer eine Erklärung, die seinem Personalakt an der Universität Wien beigeschlossen war. Darin heißt es unter anderem: „Ich erkläre hiermit, dass ich über die Bestimmungen (...) betreffend Einführung der Vorschriften über Hochverrat und Landesverrat im Lande Österreich, eingehend belehrt worden bin.“

Nach der erzwungenen Auflistung seiner Besitzverhältnisse gegenüber der NS-Vermögensverkehrstelle unter dem Eintrag „Israel Dr. Richard Czwiklitzer“ wurde er allen Indizien nach 1940 schließlich deportiert und starb am 9. März 1940 an bisher unbekanntem Ort.

Weiterführende Literatur:

Marcell Klang (Red.), Die geistige Elite Österreichs. Ein Handbuch der Führenden in Kultur und Wirtschaft, Wien: C. Barth-Verlag 1936, S. 120-122.

Karl Ziak, Wir arbeiten mit Dr. Czwiklitzer. In: 50 Jahre Volksheim. Eine Festschrift zum 24. Februar 1951. Hrsg. v. Verein Volkshochschule Wien Volksheim, Wien 1951, S. 28-30.

Robert Stumpf, Wissensspeicher in Zeiten politischer Umbrüche. Bruchstücke zur Geschichte der Universitätsbibliothek Wien 1938 und 1945. In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare, 60. Jg., 2007, H. 3, S. 16, 18 u. 28.
Auswahlbibliographie Links
Czwiklitzer, Richard © Österreichisches Volkshochschularchiv