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Volksbildnerinnen

Als Folge der Ausgrenzung der Frauen sowohl aus der staatlich geförderten Bildung als auch der Angebote von Fachvereinen und Gewerkschaften spielten Frauen innerhalb der Volksbildung tatsächlich eine vergleichsweise bedeutende Rolle. Das Angebot der autonomen Volksbildungsvereine war das einzige säkulare Bildungsangebot für Frauen. Der Zugang zu Bildungsveranstaltungen der Volksbildungsvereine stand ihnen unbeschränkt offen, Frauen waren in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts sogar durchschnittlich zu 40 bis 45 Prozent als Hörerinnen vertreten. Hier waren sie keine Konkurrenz im Feld der gesellschaftlichen Machtverteilung, denn Bildung brachte keinen formalen Abschluss, eröffnete also keine Perspektiven für ein Betätigungsfeld in der Öffentlichkeit, sondern blieb zunächst Selbstzweck.

Frauen waren allerdings nicht in den Führungsgremien vertreten, ihre Mitarbeit beschränkte sich auf die Arbeit in Ausschüssen (die Sozialarbeiterin Katharina Migerka oder die Frauenrechtlerin Marianne Hainisch im Wiener Volksbildungsverein, die Malerin Tina Blau im neu gegründeten Volksheim) sowie auf die Leitung von Fachgruppen (so begründete und leitete Amelia Sarah Levetus die englische Fachgruppe). Gerne waren sie auch in den unteren Chargen gesehen, etwa als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen im Bibliotheksdienst.

Der 1903 ins Leben gerufene Jugendschriftenausschuss des Wiener Volksbildungsvereins, der einen Musterkatalog von Jugendliteratur als Hilfsmittel zur Beratung in Volksbibliotheken zusammenstellte, wurde von Frauen wie Helene Bucher, Emilie Exner, Auguste Fickert, Marianne Hainisch und Katharina Migerka vorbereitet und zunächst von Marianne Hainisch geleitet, im Prüfungsausschuss kontrollierten jedoch Männer die Arbeit von Frauen.

Als Vortragende hatten wissenschaftlich gebildete Frauen wie die Physikerinnen Lise Meitner und Olga Steindler, die Individualpsychologin Alice Friedmann, die Linguistin Elise Richter oder die Historikerin Margarete Merores in den Volksbildungsvereinen ein nicht zu unterschätzendes Forum, während die volkstümlichen Universitätskurse, die zunächst nur von anerkannten Dozenten und Professoren gehalten wurden, Frauen von vornherein ausschlossen. Auch konnten frauenspezifische Themen publikumswirksam behandelt werden. Auf diese Weise wurden Ideen und Initiativen von Frauen wie Marianne Hainisch, Ottilie Bondy, Marianne Beth oder Katharina Migerka breitenwirksam an Frauen weitergegeben.

Eine Initiative des Wiener Volksbildungsvereins war das 1900 von volksbildnerisch aktiven Dozenten gegründete Athenäum, eine Frauenhochschule, die allerdings keine wirkliche Alternative zur Universität war, da sie keinen formalen Abschluss bot.