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Volkshochschule Tirol

Im Herbst 1945 trafen in Innsbruck Vertreter der Kammer für Arbeiter und Angestellte und des Gewerkschaftsbundes zusammen, um über die volksbildnerischen Erfordernisse des Aufbaus eines demokratischen Tirols zu beraten. Das Ergebnis dieser Beratungen war die Gründung des überparteilichen und überkonfessionellen Vereins „Volkshochschule Innsbruck“. Als Ziele dieses Vereins wurden festgesetzt: Die Errichtung einer Abendmittelschule für Arbeiter und Angestellte, deren Besuch zur Matura führen sollte, gewerkschaftliche und politische Schulung und die Durchführung allgemeinbildender und kultureller Kurse, Vorträge und sonstiger Veranstaltungen dieses Inhalts.

Nachdem die französische Militärregierung bereits am 22. Oktober 1945 ihre Zustimmung zur Vereinsgründung erteilt hatte, genehmigte die Landeshauptmannschaft für Tirol am 9. Februar die vorgelegten Statuten. Damit war der Weg endgültig frei.

Sehr wichtig für den Bestand der neuen Volkshochschule war auch, dass sie behördlicherseits als Rechtsnachfolgerin der in den Kriegswirren untergegangenen Innsbrucker Urania anerkannt wurde. Neben der Ausfolgung des verbliebenen Vermögens der Urania – eines Geldbetrages und einer Lichtbildersammlung – bedeutete dies vor allem, dass die Volkshochschule die einzige Volksbildungseinrichtung in Innsbruck war.

Der Beginn

Schon früh zeigte sich, dass die Gründung der Volkshochschule einem in der Bevölkerung verbreiteten Bedürfnis entsprach. Bereits im November 1945 wurde die Arbeitermittelschule mit zwei Klassen, die von 118 Männern und zwei Frauen besucht wurden, eröffnet. Im Schuljahr 1948/49 konnten bereits die ersten Reifeprüfungen abgenommen werden. Vier Jahre später promovierte einer der Absolventen zum Dr. jur.

Auch der Kursbetrieb der Volkshochschule wurde bereits im November 1945 aufgenommen. Das Kursangebot des ersten Semesters war mit Rechnen, Rechtschreiben und technischen Grundlagenfächern sehr alltagsbezogen. Rund 590 Personen, überwiegend Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft, nahmen an diesen Kursen teil. Bereits im folgenden Semester wurde das Programm um wissenschaftliche und kulturelle Angebote erweitert.

Diese vielfältigen Tätigkeitsbereiche der Volkshochschule führten zu einem Verwaltungsaufwand, der mit ehrenamtlichen MitarbeiterInnen nicht bewältigt werden konnte. Daher wurde bereits im Dezember 1945 ein mit zwei hauptberuflichen Kräften besetztes Sekretariat eingerichtet.

Schulische Lehrgänge

Die Arbeitermittelschule nahm seit ihrer Gründung einen kontinuierlichen Aufschwung. Im Jahr 1950 erhielt sie das Öffentlichkeitsrecht und damit auch das Recht, selbst die Reifeprüfungen abzunehmen. Der Erfolg der Schule zeigte sich daran, dass eine große Zahl der MaturantInnen ein Studium aufnahm und dieses auch erfolgreich abschloss. Zur Sicherung des Bestandes der Schule strebten die FunktionärInnen der Volkshochschule ihre „Verbundlichung“ an. Mit der Übernahme des „Realgymnasiums für Berufstätige in Innsbruck (Arbeitermittelschule)“ in die Bundesverwaltung am 1. Jänner 1961 wurden diese Anstrengungen mit Erfolg beschieden. Auch für die SchülerInnen war die Übernahme durch den Bund ein Vorteil weil sie kein Schulgeld mehr entrichten mussten.

Ab dem Jahr 1955 bot die Volkshochschule in Innsbruck auch Lehrgänge zur Ablegung der damals so bezeichneten „B-Matura“ an, die zum Aufstieg in den gehobenen Verwaltungsdienst berechtigte. Ab dem Jahr 1997 wurden sie durch Lehrgänge zur Berufsreifeprüfung ersetzt.

Eine weitere schulische Ausbildungsmaßnahme bot die Volkshochschule ab dem Arbeitsjahr 1958/59 an: Vorbereitungslehrgänge für die Externistenprüfung an Handelsschulen. Bemühungen, diese Lehrgänge in eine Abendhandelsschule mit Öffentlichkeitsrecht überzuführen, scheiterten, so dass die Lehrgänge im Kursjahr 1963/64 wieder eingestellt werden mussten.

Erfolgreicher war das Angebot von Hauptschulkursen. Ab 1961 wurden in Zusammenarbeit mit LehrerInnen einer Innsbrucker Hauptschule an drei Wochentagen abends Kurse zur Nachholung des Hauptschulabschlusses durchgeführt. Die Prüfungen wurden unter dem Vorsitz des Direktors der Schule abgenommen. Wie sehr die Volkshochschule mit diesem Angebot einem großen Bedarf nachkam, erwies sich darin, dass selbst aus entlegenen Landesteilen TeilnehmerInnen kamen. Viele von ihnen nahmen im Anschluss daran auch noch an den Lehrgängen für die Beamtenaufstiegsprüfung teil.

Inhaltliche Ausgestaltung

In den folgenden Jahren konnte das Kurs- und Vortragsangebot um die Sachgebiete Wissenschaft, Kunst, Musik und Literatur erweitert werden. Eine wichtige Maßnahme zur Sicherung der inhaltlichen Qualität der wissenschaftlichen Veranstaltungen war ein zu Beginn der fünfziger Jahre mit der Universität Innsbruck geschlossenes Übereinkommen, wonach die von der Universität durchgeführten volkstümlichen Vorträge in das Programm der Volkshochschule aufgenommen wurden.

Regionale Ausweitung

Schon bald nach der Gründung der Volkshochschule in Innsbruck wurden auch in anderen Landesteilen Zweigstellen errichtet. Bereits im Jahr 1945 erfolgte die Eröffnung der ersten Zweigstelle in Kufstein, wenige Monate später folgte Kitzbühel. Die Initiative zur Gründung von Zweigstellen ging in den meisten Fällen von den Bürgermeistern oder Schulleitern der betreffenden Orte aus. Als Beispiel hierfür ist Seefeld zu nennen, das im Jahr 1963 die Gründung der dortigen Volkshochschulzweigstelle nicht nur finanziell unterstützte, sondern ihr auch Räumlichkeiten in der neu erbauten Hauptschule zur Verfügung stellte.

Während in den dichter besiedelten Landesteilen der Ausbau des Zweigstellennetzes ohne größere Schwierigkeiten vonstatten ging, war dies in den Gebirgstälern nicht immer leicht. Die im Winter oft unpassierbaren Verkehrswege und die verstreute Besiedlung erschwerten es ungemein, TeilnehmerInnen für länger dauernde Kurse oder Vortragsreihen zu gewinnen. Umso erfreulicher waren dann Erfolge wie die der Zweigstelle Kramsach, wo TeilnehmerInnen mitunter mehrstündige Fußmärsche nicht scheuten, um einen Kurs zu besuchen.

Manche dieser Zweigstellen entwickelten ein eigenständiges Profil. In Landeck ging aus einem Kurs für Sprech- und Literaturerziehung im Jahr 1957 ein Schauspielstudio hervor. Im Laufe der Jahre wurde von den TeilnehmerInnen ein Repertoire erarbeitet, das vom barocken Mysterienspiel bis zu zeitgenössischen Dramen reichte. Von der Zweigstelle Landeck ging auch die Initiative aus, mit dem Bundesheer Bildungsprojekte für Soldaten durchzuführen, die in der Folge mit Unterstützung des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen auf ganz Tirol ausgeweitet wurde. In den sechziger Jahren führte die Volkshochschule Tirol in den meisten Garnisonen Kurse, Vorträge und Führungen durch.

Diese wenigen Beispiele zeigen, dass die Zweigstellen der Volkshochschule Tirol – derzeit sind es 28 – jeweils ein eigenes Profil entwickelt haben.

Kooperationen

Im November 1951 schlossen sich Tiroler AutorInnen zum „Turmbund – Gesellschaft für Literatur und Kunst“ zusammen. Der Name der Vereinigung bezieht sich auf den Innsbrucker Stadtturm, dessen ehemalige Türmerwohnung ihr von der Stadt Innsbruck als Vereinslokal überlassen wurde. Da der Turmbund und die Volkshochschule auf dem Gebiete der Pflege und Verbreitung literarischen Schaffens einander ergänzten, kam es im Jahr 1962 zu einer ersten Kooperation. Seither führen beide Einrichtungen gemeinsam Lesungen, Vorträge, Schreibwerkstätten und ähnliche Veranstaltungen durch.

Im Laufe der Jahre knüpfte die Volkshochschule auch Verbindungen zu Erwachsenenbildungseinrichtungen des benachbarten Auslandes; selbstverständlich zu den Südtiroler Volkshochschulen, mit denen eine enge Zusammenarbeit besteht, aber auch zu Volkshochschulen in Deutschland, wie München oder Freiburg im Breisgau. Die Volkshochschule Tirol ist somit ein wichtiger Knoten in einem länderübergreifenden Bildungsnetzwerk.

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Das Wirken der Volkshochschule erfuhr vielfache Würdigungen und Anerkennungen. Besonders hervorzuheben ist, dass die Volkshochschule im Jahr 1982 in „Volkshochschule Tirol“ umbenannt wurde, um damit ihrer landesweiten Bildungsarbeit den angemessenen Ausdruck zu geben.

Ein bedeutender Anstoß zum weiteren Auf- und Ausbau der Innsbrucker Hauptstelle war die Überlassung von Kurs- und später auch Büroräumlichkeiten im Gebäude des ehemaligen Ursulinenklosters durch die Tiroler Landesregierung und die Innsbrucker Stadtverwaltung an die Volkshochschule.

Im Jahr 1995 erhielt die Volkshochschule Tirol durch Beschluss der Tiroler Landesregierung die Berechtigung, das Tiroler Landeswappen zu führen.