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Arbeitsgemeinschaft der Bildungsheime

Begriffserklärung

Bildungsheime sind eine besondere Einrichtungsform der Erwachsenenbildung. Sie sind für Zwecke der Erwachsenen- und außerschulischen Jugendbildung errichtete Häuser, die pädagogisch geführt werden und längerfristige Bildungsveranstaltungen durchführen. Hervorstechend ist dabei der Internatcharakter der Veranstaltungen, das heißt die TeilnehmerInnen sind über eine gewisse Zeitspanne – meist eine Woche – aus ihrem Alltag herausgehoben. Die Arbeit in Kleingruppen, die persönliche Begegnung in der Freizeit wie auch die teilweise Gestaltung des Tagungsablaufs schaffen das spezifische Klima der Bildungsarbeit in einem Bildungsheim, das darüber hinaus durch die Lage des Heims in schöner Landschaft beziehungsweise durch den Charakter des Hauses – altes Schloss oder Herrensitz – zusätzlich geprägt wird. Bildungsheime planen eigene, überwiegend der Allgemeinbildung dienende Angebote und führen sie auch durch. Dadurch unterscheiden sie sich von Tagungshäusern, die nur die Infrastruktur für andere Veranstalter zur Verfügung stellen, oder von Schulungsheimen zur Schulung von Funktionären von Interessensvertretungen oder politischen Parteien.

Werdegang

Der Gedanke des Bildungsheims geht auf Nikolaj Frederik Severin Grundtvig zurück. Seinem Bildungskonzept zufolge sollte die ihm vorschwebende „Volkshochschule“ einen Gegenpol zu der in seinen Augen toten, unnützes Buchwissen verbreitenden akademischen Bildung bilden. Im Mittelpunkt seiner Bestrebungen standen die Gemütsbildung durch Pflege der Volkskultur und der Volkssprache, der Geschichte, der Religion und künstlerische Tätigkeit. Die Zielgruppe war die bäuerliche Jugend, die in Grundtvigs „Schule für das Leben“ befähigt werden sollte, das durch die militärische Niederlage 1864 geschwächte und wirtschaftlich daniederliegende Dänemark wieder aufzurichten.

Das grundtvigsche Modell breitete sich unter der Bezeichnung „Heimvolkshochschule“ oder „Bauernschule“ im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland aus, wo vor allem der ländlichen Jugend eine Ergänzung zur vielfach unzureichenden Schulbildung geboten werden sollte.

Bildungsheime in Österreich

Bald nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden auch in Österreich Bildungsheime im Sinne Grundtvigs gegründet. 1922 gründete Josef Steinberger St. Martin in der Nähe von Graz, 1928 Leopold Teufelsbauer Hubertendorf in Niederösterreich. Auch hier lag der Schwerpunkt der Bildungsbemühungen auf der Persönlichkeitsbildung sowie der fachlichen Weiterbildung für die ländliche Jugend. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die Bildungsheime einen bemerkenswerten Aufschwung. Im Jahr 1954 schlossen sich die Träger der Bildungsheime – überwiegend die beiden christlichen Kirchen, aber auch einige Bundesländer, der Bund und einige Vereine – zur „Arbeitsgemeinschaft der Bildungsheime“ zusammen, um ihre wirtschaftlichen Interessen besser vertreten zu können.

Weiterführende Literatur:

Riebenbauer, Franz (Hg.): Persönlichkeiten prägen. 40 Jahre Arbeitsgemeinschaft der Bildungsheime Österreichs 1954-1994, Wien 1994.